Heilung von Drogensucht

Die erste Frage, welche uns Patienten im Gespräch stellen wenn sie sich zum ersten Mal in unserem Krankenhaus aufhalten, ist ob das Problem welches sie mit Betäubungsmitteln oder Alkohol haben eine Krankheit oder nur ein Ärgernis ist welches jedem Menschen passieren kann. Beim regelmäßigen Konsum von Betäubungsmitteln befinden sich Gehirn und Körper des Suchtkranken in einem chronisch-toxinem Zustand was zur Störung der neurochemischen Prozesse im Gehirn, Veränderungen der physiologischen Prozesse, des Metabolismus und der Immunität führt. Der Gebrauch von Betäubungsmitteln ist vergleichbar mit einem Leben unter ständiger Radiation oder dem Einfluss von giftigen Substanzen. Man verfällt stufenweise und unbemerkt. Im Folgenden werden die Veränderungen aufgezeigt welche bei ständigem Drogenkonsum im Zeitraum von ein bis drei Jahren auftreten:
• Im Gehirn wird die Steuerung der Ausschüttung von Neuroregulatoren die für Verhalten und Emotionen zuständig sind beschädigt. Die komplette physische Aktivität hängt ausschließlich von der Dosierung des Betäubungsmittels ab. Sobald der Körper nur noch über eine niedrige Konzentration des Betäubungsmittels verfügt steigt der Stresspegel und die Nervosität und der hartnäckige Wunsch danach den Effekt der psychoaktiven Substanz wieder zu spüren. Es treten außerdem obsessive Gedanken über die Droge auf, d.h. psychische Abhängigkeit welche das Grundwesen der Krankheit aufzeigt.
• Der Körper erduldet die verschiedensten schädlichen Folgen des Narkotikums: Beschädigung der Nasenscheidewand, Sinusitis, ansteckende Endokarditis, Thrombophlebitis, toxische Schädigung der Leber, Nieren und andere innerer Organe. Beinahe jeder Abhängige hat Probleme mit dem Schlafen, Appetit, die Zähne verfallen, die Haut ist in schlechtem Zustand, er hat dunkle Ringe unter den Augen. All dies sind Zeichen von psychischer und physischer Ausgelaugtheit.
• Die Persönlichkeit des Abhängigen verändert sich. Er sorgt sich ständig um seinen Zustand, möchte andauernd die angenehme Euphorie des Suchtmittels spüren, die Angst vor Krisensituationen macht ihn egoistisch, unverantwortlich, treibt ihn zur Lüge und gibt ihm die Fähigkeit für verschiedene Manipulationen. Auf dem ersten Platz kommt für Abhängige ausschließlich das eigene Interesse.

In der Regel wird den Abhängigen erst nach fünf bis sieben Jahren die Gefahr klar in der sie sich befinden, wenn die schädlichen Folgen des Missbrauchs offensichtlich werden und die vielmaligen Versprechen von sich aus damit aufzuhören keine Erfolge zeigen. Auch der finanzielle und emotionale Zustand der Familie befindet sich am Rande des Kollapses. In dieser Phase beginnt der abhängige Drogen zu nehmen um „normal“ zu sein, die Droge ermüdet ihn und er will damit aufhören und sein Leben ändern. Leider ist es dann meist schon zu spät für eine Heilung.